Werbung in der Planwirtschaft?

"Es gab doch nichts!"

 

Na ja, ganz so schlimm, wie in der Unterüberschrift ironisch behauptet, war es wohl nicht. Dies verdeutlicht auch die am Mittwoch, dem 15. November 2017, in der Stadtgeschichte eröffnete neue Sonderausstellung. Sie wendet sich einem spannenden und zugleich überraschenden Gegenstand zu. Unter dem Titel „Reklamehelden“ stellt sie DDR-Werbefiguren aus der Sammlung des Putzkauers Frank Lange vor, der nach der kurzen Ansprache der Leiterin der Städtischen Sammlungen, Dr. Sylke Kaufmann, auch selbst zu Wort kam. Kuratiert wurde diese kleine, aber feine Sonderausstellung von der Mitarbeiterin der Städtischen Sammlungen Kamenz, Ragnit Michalicka, die u. a. auch für die erfolgreiche Veranstaltungsreihe „Kaffeeklatsch im Malzhaus“ verantwortlich zeichnet.

 

Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung. Im Hintergrund links der Sammler Frank Lange, der dankenswerterweise viele „Reklamehelden“, aber auch Heldinnen, für die se Ausstellung zur Verfügung stellte.

 

Wer in der DDR aufgewachsen ist, wird sich sicher noch an die Tausend Teletipps im Fernsehen erinnern, wo viele dieser Figuren zu sehen waren. Oder an den Minol-Pirol, die Werbefigur der einzigen Tankstellenkette der DDR.

Mit dieser Figur nahm auch die Sammelleidenschaft von Frank Lange ihren Anfang. Der passte wunderbar zu Minol-Tankwagen und -Tankstelle. Der Minol-Pirol schärfte den Blick für weitere DDR-Werbefiguren, deren Vielfalt so manchen erstaunen lässt.

Bereits während der Schulzeit hat Frank Lange die Spielzeug-Sammelleidenschaft gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Es sind die zahlreichen Spielzeug- und Modellautos, Tankstellen, Schiffe, Flugzeuge und Eisenbahnen aus DDR-Produktion, die sein junggebliebenes Sammlerherz auch heute noch höherschlagen lassen.

Die meisten Werbefiguren wurden Mitte der 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre entwickelt. Das Mux-Männchen, der Spezitex-Detektiv, Meister Malimo oder das MZ-Männchen entstanden in dieser Zeit und gehören in den Bereich der Produktwerbung.

 

In dieser Form und Größe kennt man „Johanna“, die Werbefigur für das Fewa-Waschmittel, bestimmt noch nicht.

 

Daneben gibt es auch Figuren wie das Messemännchen oder Florinchen, die eher unter die Rubrik Maskottchen fallen. Die langesche Sammlung weist zudem viele nicht individualisierte Püppchen auf, die Uniformen bzw. Anzüge von Volkspolizei, Feuerwehr, Gesellschaft für Sport und Technik usw. tragen oder die lediglich mit einem kleinen Firmenlogo versehen wurden.

Bereichert und erweitert wird die kleine Ausstellung durch Figuren wie Pittiplatsch und Sandmännchen, welche als Botschafter des Deutschen Fernsehfunks in großer Zahl Einzug in die Spielzeugkisten hielten.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 28. Januar zu den Öffnungszeiten des Museums der Westlausitz. Ein Ausflug in die – doch noch relativ nahe – Vergangenheit lohnt sich.

17.11.2017