Gemeinsames Kulturprojekt zwischen Luban und Kamenz

Ein Oratorium zu Ehren der Heiligen Maria Magdalena

Ein Zeichen der Verbundenheit der Bürger von Luban und Kamenz

30 Kamenzer der Katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena feierten am 24. September 2017 die Übertragung des Patronats dieser Heiligen über die Stadt Luban (Lauban) mit den Laubanern.

An diesem, dem 24. September, wurde die Heilige Maria Magdalena zur Ortspatronin der Stadt Luban. Hinter diesem Fest steht eine zum Nachdenken anregende und ergreifende Geschichte. Ihre Botschaft ist die der Verständigung.

Kamenz und Lauban haben eine gemeinsame Geschichte

Kamenz und Lauban haben eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte voller Dramatik. Beide Städte des Oberlausitzer Sechsstädtebundes wurden von den Stürmen der Zeit heimgesucht. Schon 1815 wurde die Oberlausitz in Folge der Beschlüsse des Wiener Kongresses geteilt, die Städte Görlitz und Lauban kamen unter preußische Herrschaft, die anderen vier Städte – Bautzen, Zittau, Löbau und Kamenz – blieben sächsisch. In Jahre 1945 wurde im Ergebnis der alliierten Abkommen und des Ausgangs des 2. Weltkrieges die deutsche Bevölkerung aus Lauban vertrieben. Das gleiche Schicksal traf die Vorfahren der jetzigen polnischen Bevölkerung, die durch die Sowjetunion ebenfalls aus ihrer Heimat in Galizien vertrieben wurden. Auf den Vertriebenentrecks gab es viele Opfer. Die durch Kriegseinwirkung fast völlig zerstörte Stadt Luban wurde mit viel Mühe und Engagement der Lubaner wiederaufgebaut, besonders intensiv geschah dies nach 1990.

Die Person der Heiligen Maria Magdalena ist ein Symbol, das Epochen und Menschen verbindet

Der geschichtliche Anlass zur Patronatsübertragung ist der 800. Jahrestag der Ankunft der Magdalenerinnen, Schwestern vom Orden der heiligen Maria Magdalena zur Buße, in Lauban, die seit 1217 ununterbrochen in Lauban im Geiste der caritativen Liebe wirkten. Auch in Kamenz waren die Magdalenerinnen und betrieben im „Spittel“ das erste Hospital. Die katholische Pfarrkirche und die Pfarrgemeinde in Kamenz sind ebenfalls der Hl. Maria Magdalena geweiht. Die Gestalt der Maria Magdalena ist voller Geheimnisse. Der biblischen Tradition gemäß war sie die erste Person, welche dem auferstandenen Jesus begegnete und die diese Begegnung auch gegen das Misstrauen Anderer bezeugte.

Das Oratorium „Jubilate Deo omnis terra“ wir dreisprachig aufgeführt

Diese angenommene Kraft des Heiligen wirkt ersichtlich in viele gesellschaftliche Bereiche hinein, besonders auch in die Kunst der Malerei und der Musik. So wurde im Auftrag der Stadt Luban ein Oratorium zu Ehren der Maria Magdalena komponiert. Dieses Oratorium ist dreisprachig: Es kommen darin lateinische, polnische und deutsche Passagen vor und dies ganz bewusst, denn mit diesem Werk und dem gesamten Ereignis soll die Verständigung zwischen den Menschen, besonders der Polen und Deutschen auf eine höhere Ebene gebracht werden. Ja, um das Fazit des offiziellen Vertreters der Stadt Kamenz, Jörg Bäuerle – Stadtrat und ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters –, vorwegzunehmen: „Dies ist auch gelungen!“

Eigentlich ist die Aufführung dieses Oratoriums, welches den Titel „Jubilate Deo omnis terra“ (Lobet Gott in aller Welt) trägt, ein kleines Wunder. Nur ein paar Tage vor der geplanten Uraufführung am 24. September war das Werk fertig komponiert. Keiner der mehr als 30 Musiker und der insgesamt mehr als 100 Sänger hatte bis zum Mittwoch eine Note gesehen. Zwei Tage probten die Musiker und die polnischen Sänger und am Sonnabend, dem 23. September kamen dann die Kamenzer dazu. Eigentlich könnte man sich unter diesen Umständen sehr wohl eine angespannte Situation vorstellen, sie war es aber nicht.

Die Kamenzer haben das Ihrige zum Gelingen der Aufführung beigetragen

Als die Kamenzer Delegation eintraf, wurde als erstes dem „Geburtstagskind“, Margarethe Piesche, gratuliert, dann ging es zur Probe. Es war für alle Kamenzer Teilnehmer ein bleibendes Erlebnis, die lebendige Atmosphäre bei den Proben sowie überhaupt die Gastfreundschaft der Lubaner zu erleben. Insgesamt war die Atmosphäre in der Stadt Luban am Sonntag eindrucksvoll. Um 11 Uhr wurde vom Lubaner Museum der historische Einzug der Schwestern dargestellt. Davor fand eine festliche Stadtratssitzung in der Anwesenheit der Abgeordneten des Sejms, von Regierungsvertretern, der Geistlichkeit, des gesamten Stadtrates von Luban und den Vertretern der Städte des Sechsstädtebundes statt. Die Heilige Messe im Zentrum der Stadt war der erste Höhepunkt des Tages.

Zu Beginn der Messe verlas der Diözesanbischof von Legnica (Liegnitz) die Urkunde des Vatikans zur Übertragung des Patronats der Heiligen Maria Magdalena über die Stadt Luban. Obwohl das Wetter eher ungünstig war, es regnete teilweise heftig, waren die Lubaner so zahlreich erschienen, dass viele Menschen die Messe nicht direkt erleben konnten. Etwa gegen 14 Uhr bewegte sich die Prozession unter Führung vieler Priester und des Bischofs zur Pfarrkirche. Hier, vor der Pfarrkirche, wurde dann eine neue Statue der Heiligen geweiht.

Dann begannen die Vorbereitungen für die Uraufführung des Oratoriums. Selbst die Vertreter der Stadt Kamenz waren etwas unruhig, da sie ja die Einzelheiten und die vermeintlichen Schwierigkeiten kannten.

Das gesamte Werk hinterließ bei den Zuhörern tiefe Eindrücke, was auch daran lag, dass alle Mitwirkenden deutlich hör- sowie sichtbar in die Aufführung eingebunden waren. Besonders ist der Mut und das Können der Kamenzer hervorzuheben. Es waren alles Laien im musikalischem Bereich, aber, so Jörg Bäuerle, es ist gelungen und geklungen hat es wie bei den Profis. Dafür sprach er allen Kamenzer Teilnehmern ein großes Kompliment aus. Nicht nur am Rande sei erwähnt, dass dann – trotz eines gemeinsamen, auch sehr deftigen Essens – die danach geplante Rückfahrt für viele der Kamenzer Sänger und Sängerinnen dann eigentlich doch zu früh kam.

Für Kamenz ist eine Videoaufführung des Oratoriums im November geplant

Wenn die Planung aufgeht, wird am 24. November d.J. in Kamenz eine Abschlussveranstaltung stattfinden, in deren Verlauf auch das Video von der Uraufführung des Oratoriums gezeigt wird. Der genaue Ablauf wird noch zeitnah bekannt gegeben, so dass für interessierte Bürger von Kamenz die Möglichkeit besteht, diese Aufführung vor Ort miterleben zu können.

Das gesamte Projekt wurde im Rahmen der EU über das Projekt „Gemeinsame Kultur und Geschichte als Brücke zwischen den Bürgern der Städte Luban und Kamenz - KPF INTERREG Polen – Sachsen 2014 – 2020“ gefördert und finanziert. Dieses Projekt ist ein lebendiges, verdeutlicht es doch, dass die gemeinsame Geschichte, Kultur, Religion und Tradition die wirklichen Grundlagen für eine Verständigung zwischen Menschen und Völkern sind und Ideologien sowie modische Zeiterscheinungen keine Basis für eine bleibende positive Entwicklung unserer Länder und Europas, ja der ganzen Welt sein werden.

Der stellvertretende ehrenamtliche Oberbürgermeister schaut hoffnungsfroh in die Zukunft

Für gläubige Christen, findet Jörg Bäuerle, ist die Heilige Maria Magdalena eine Hilfe bei der spirituellen Erneuerung und eine Mittlerin für die Verständigung. Rückblickend auf dieses bemerkenswerte Erlebnis stellt er fest: „In bleibender Erinnerung werden auch die intensiven Gespräche der Gäste – von den Sechsstädten war der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker, von Bautzen Finanzbürgermeister Dr. Robert Böhme anwesend – mit den Vertretern aus Luban unter der Führung des Lubaner Bürgermeisters Arkadiusz Słowiński bleiben. Zu den Gesprächspartnern an diesem Tag zählten ebenfalls der Bürgermeister Heiko Driesnack aus Königsbrück als Vertreter des Landkreises Bautzen sowie Herr Becker aus Königslutter als Vertreter des Förderkreises „Lubania“ des Vertriebenenverbandes.

Es wäre erfreulich, wenn dieses, heute doch noch recht seltene Ereignis einer Übertragung eines Patronats einer Heiligen über eine ganze Stadt, uns zum Nachdenken über unsere Basis und Traditionen bringen würde und wir auch dadurch hoffnungsfroh in die Zukunft schauen können.“

(Nach Zuarbeit von Jörg Bäuerle, Stadtrat und Ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters)

 

16.10.2017