Rede des Oberbürgermeisters zum Neujahrsempfang 2017

 

Rede des Oberbürgermeisters zum Neujahrsempfang der Stadt Kamenz 2017 am 3. Februar 2017

Denkanstöße – Zum Weiterdenken

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie heute hier zum diesjährigen Neujahrsempfang in unserem Kamenzer Rathaus ganz herzlich begrüßen.

Wir freuen uns, dass unter uns

  • das Mitglied des Bundestages Maria Michalk
  • die Vertreter des Sächsischen Landtages, Aloysius Mikwauschk, aber der Vizepräsident des Sächsischen Landtages, Horst Wehner

weilen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich bitte kurz aus dem Begrüßungsreigen aussteigen und Ihnen von einem Wunder berichten.

Ja, manchmal geschehen eben auch noch Wunder.

Ja, alle wissen es, die Lessingschule wird erhalten werden und an ihrem alten Standort ihre eigene Geschichte weiterführen. Aus dem Gebäude der 2. Oberschule an der Saarstraße wird ein modernes zeitgemäßes Schulgebäude mit allen Dingen, die dazu gehören.

Der Freistaat wird ab 2022 mit über 200 Beschäftigten den Behördenstandort Kamenz stärken. Und wenn alles geschafft ist, natürlich mit Sporthalle und Sportplatz, werden bis 2022 ca. 50 Mio. EUR in unsere Stadt Kamenz investiert sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich dem Landrat Michael Harig danken und insbesondere auch Udo Witschas, der heute in seiner Eigenschaft als 1. Beigeordneter Vertretung des Landrates unter uns weilt.

Herzlich willkommen!

Wir freuen uns über den Besuch des Präsidenten der Sächsischen Handwerkskammer Dr. Jörg Dittrich und des Geschäftsführers Dr. Andreas Brzezinski. Ebenso begrüße ich die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Sabine Gotscha-Schock.

Herzlich willkommen heiße ich die Vertreter der Wirtschaft, ich begrüße besonders Sie, die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Vertreter des Handwerks, die in so großer Zahl in unserem schönen Ratssaal erschienen sind.

Es ist im gewissen Sinne heute wieder versammelte Wirtschaftskraft in diesem schönen Raum.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der diesjährige Neujahrsempfang steht in besonderer Weise für die Würdigung des Ehrenamtes.

Sie, die sich in Sport und Kulturvereinen, im sozialen Bereich oder auch im Brand- und Katastrophenschutz engagieren, bestimmen mit vielen anderen das Leben und das Bild unserer Lessingstadt. Die Bürger, aber auch die vielen Unternehmen sind es, die anpacken und die Dinge bewegen. Sie sollen am heutigen Abend im Mittelpunkt stehen. Besonders jene, die aus der Bürgerschaft heraus vorgeschlagen wurden, um ihnen besonders zu danken.

Auch Ihnen ein herzliches Willkommen!

Ich begrüße weiterhin am heutigen Tag die Vertreter des Kamenzer Stadtrates sowie die Ortsvorsteher unserer Stadt. Sie alle haben im vergangenen Jahr fleißig gearbeitet.

Ich begrüße darüber hinaus, für die Gemeinde Schönteichen, mit der uns eine Verwaltungsgemeinschaft verbindet, Kollegen Weise, die Vertreter der Kirchen, der City-Initiative, die Leiterinnen und -leiter der Kamenzer Schulen und Kindereinrichtungen, den Geschäftsführer der kommunalen Gesellschaften, Herrn Schomber und das Vorstandsmitglied der ewag kamenz, Herrn Klein.

Gegrüßt seien auch die anwesenden Vertreter der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der Volksbank Bautzen und der Deutschen Bank.

Und wir freuen uns ebenso, dass die Vertreter der Medien unserer Einladung gefolgt sind. 

In diesem Jahr hat ein Ereignis Premiere. Zum ersten Mal wird der Preis mit dem Titel „Kamenz schafft Inklusion – Peter Barth-Preis 2017“ verliehen. Dies ist der besondere Punkt am heutigen Abend, den Sie, sehr geehrter Herr Schiewack, als eine Herzensangelegenheit „vollziehen“ werden. Deshalb ein herzliches Willkommen an den Stifter des Preises, Michael Schiewack, von der gleichnamigen Ergotherapie-Praxis. Doch dazu Näheres später.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben wieder einen ambitionierten Neujahrsempfang-Parcours aufgebaut, der natürlich kulturell und kulinarisch umrahmt wird. 

Da kann ich mich für den ersten Abschnitt des kulturellen Teils schon jetzt bei der freischaffenden Musikerin und Lehrerin an der Regionalstelle Kamenz der Kreismusikschule Bautzen, Frau Jule Malischke bedanken. Jule Malischke begann im Herbst 2013 ihren Masterstudiengang „Jazz /Rock/Pop akustische Gitarre Weltmusik“ an der Carl Maria von Weber Musikhochschule in Dresden bei Prof. Thomas Fellow. Sie produzierte im Herbst 2014 ihr Debütalbum “WHATEVER MAY HAPPEN” (Was auch immer passiert). Freuen wir uns als auf eine sowohl anspruchsvolle wie auch musikalische Begleitung an diesem Abend.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist einfach schön, von hier aus in den vollen Ratssaal zu blicken. Schon jetzt ein großes Dankeschön, dass alle, die unserer Einladung gefolgt sind. Was wir hier sehen, sind in keiner Weise alternative Fakten, denn Sie sind wirklich da.

„Neujahrsempfangserprobte“ werden jetzt vielleicht im inneren stöhnen, denn mehr als elf Mal habe ich Sie mit durchaus langen Rückschauen – lassen Sie mich das so sagen – bereichert oder gequält.

Das Jahr hat 365 Tage und ich habe mich immer nach Kräften bemüht, sichtbar unterstützt von meinem Referenten, Herrn Käppler, Bilanz zu ziehen.

Heute wird alles anders. Versprochen!

Dafür gibt es zwei Gründe:

Als ich in unserer Stadt unterwegs war, entdeckte ich dieses Werbeplakat: „Deine Bilanz ist zum Heulen? Dann wird es Zeit für Plakate!“ Daraus kann man – mit Augenzwinkern – den Schluss ziehen: Wenn du nichts zu bieten hast, dann mache Marketing. Bezogen auf die letzten Jahre, besonders 2016 können wir dies – so glaube ich – jedoch locker anders sehen.

Der zweite Grund ist damit verbunden, dass sie wichtige Ereignisse, die uns im letzten Jahr begleiteten, in Ruhe nachlesen können. Dafür hat Herr Käppler mit einer kleinen in eine Broschüre gefassten „Rückschau“ gesorgt. Und so kann ich heute gerade in der Rückbesinnung auf 2016 und das, was uns aktuell bewegt, etwas anders – lassen Sie es mich so sagen – zupacken.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie sind – da ich das Bilanzieren gewissermaßen verabschiedet habe –vielleicht gespannt, unter welchem Leitmotiv meine Worte an diesem Abend stehen werden.

Ich halte es – und das ist vielleicht nicht verwunderlich im Jahr der Lessing-Preis-Verleihung – mit Lessing. Er schrieb 1768 im 95. Stück der „Hamburgische Dramaturgie“:

„Ich erinnere hier meine Leser, daß diese Blätter nichts weniger als ein dramatisches System enthalten sollen. Ich bin also nicht verpflichtet, alle die Schwierigkeiten aufzulösen, die ich mache. Meine Gedanken mögen immer sich weniger zu verbinden, ja wohl gar sich zu widersprechen scheinen: wenn es denn nur Gedanken sind, bei welchen sie Stoff finden, selbst zu denken. Hier will ich nichts als Fermenta cognitionis ausstreuen.“

Ersetzen Sie, sehr geehrte Damen und Herren, „Leser“ durch „Zuhörer“, „Blätter“ durch „Rede“, „dramatisches System“ durch „Ansichten“ und sie haben das Motto des heutigen Abends – das Austreuen von Fermenta cognitionis, also das Ausstreuen von Gedanken, die zum Selbst- und Weiterdenken bewegen. Lessing muss sein – in Kamenz ist dies so!

Es geht auch einfacher: Jeder hat einen Kopf zum Denken und der ist rund, so dass die Gedanken kreisen können. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in unserer Stadt ist viel geschehen, manches wiederholt sich Jahr für Jahr – so unser Forstfest.

Manches kommt aber auch neu hinzu, so zum Advents-Spektakulum 2016, als mehr als 32 im Lessing-Look kostümierte Lehrerinnen und Lehrer ein Weihnachtslied singend dazu beitrugen, dass 50 Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehren von Kamenz vom MDR-Sachsen mit einer Fahrt in den Weihnachtszirkus belohnt wurden.

Ich will nun versuchen, gerade aus den Geschehnissen, den so klaren Impulsen aus dem letzten Jahr, einige Gedanken, wie Sie es vielleicht nicht gewohnt sind, an Sie heranzutragen.

Was hat uns im letzten Jahr bewegt?

Worauf hoffen wir in der kommenden Zeit?

Gegenwärtig beherrscht uns – und nicht nur unter dem Handeln des neugewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump – die Frage nach der Sicherheit in unserem Land.

Die Ereignisse am Anfang des letzten Jahres und im Dezember haben dies mit unglaublicher Härte gezeigt. Die ganze Schärfe auch der Unterlassungen, der Illusionen schlug uns am Neujahrsmorgen ins Gesicht.

Meine –  in einem Interview öffentlich geäußerte – Kritik aus dem Jahr 2015 fand im vergangenen Jahr leider ihr Bestätigung. Heute wird darüber diskutiert, dass die Verantwortung zur Verhinderung terroristischer Anschläge in die Hand des Bundes in vollem Umfang gehört; und meiner Meinung auch nach wie vor die Fragen des Asyl- und Aufenthaltsrechts. Offensichtlich ist man in der Rückschau – wie so oft – klüger. Es ist doch eine allgemeine Erkenntnis, dass – je mehr in einem Topf herumrühren – die Gefahr der mangelnden Übersicht immer größer wird. Das weiß der Handwerksmeister genauso wie ein Bürgermeister. Aber offenbar tut sich der große Politikbetrieb damit schwer. Hier scheint es mitunter mehr um Abgrenzungen und Kompetenzrangeleien zu gehen als um das mit aller Kraft und mit allem Einsatz zu lösende Problem.

Warum lasse ich mich darauf ein?

Wenn die eigene Tochter nur durch Zufall den Ort des Münchner Anschlages früher verlässt als sonst, dann wird das Geschehen über Fernsehkanäle sehr persönlich und vor allem sehr direkt. Auf einem Weihnachtsmarkt können sich auch Sie selbst oder Ihre Kinder aufhalten.

Es ist unsere Aufgabe als Bürgerinnen und Bürger, diejenigen zu befördern, die vielleicht im Zweifel sind, ob die jetzigen Sicherheitsstrukturen den Anforderungen genügen. Die Reformbestrebungen des Bundesinnenministers sollten wir alle, eingedenk auch der Verantwortung, die wir gemeinsam haben, unterstützen. Es gibt auch dafür einen ganz einfachen und sehr verständlichen Grund: Weil es uns betrifft oder betreffen kann.

Wie können wir miteinander leben?

Zunächst: Wir leben hier in Kamenz gut miteinander, zunächst weitestgehend friedlich.

Aber ehrlich – leben wir vielleicht auch mehr nebeneinander?

Was ist immer noch nicht eingelöst?

Über ein Einwanderungsrecht, das Transparenz und Berechenbarkeit schafft, wird auf Bundesebene nicht – zumindest für uns nicht wahrnehmbar – gesprochen. Die einzig konkreten Antworten sind Verschärfungen des Asylrechts. Abschiebung ist die Antwort auf genährte Hoffnungen.

Lassen Sie mich kurz die Geschichte einer jüngeren Asylbewerberin erzählen:

Sie kam 2005 aus ihrer afrikanischen Heimat in unser Land. Ihr Asylantrag wurde damals abgelehnt. Fakt ist, sie ist heute noch hier, spricht sehr gut Deutsch, hat sich im besten Sinne des Wortes integriert. Sie kann hier als Pflegekraft arbeiten. Der Ausbildungsbetrieb will sie gern weiter ausbilden, aber er bräuchte Sicherheit. Mit dem Asylrecht und dem damit verbundenen Ausländerrecht kann man die Situation nicht auflösen. Mit einem Einwanderungsrecht, wie es viele andere Staaten haben, schon. Sie will hier leben und arbeiten. Sie hat ein Ausbildungs- und Jobangebot. Sie spricht Deutsch – und wir brauchen solche Menschen.

Was spricht eigentlich dagegen, wenn wir hier mit Behutsamkeit und Augenmaß unsere deutsche Gesellschaft ändern und über andere, aber verbindliche „Spielregeln“ nachdenken?

Wer vor Verfolgung geschützt werden muss, soll seinen Schutz bekommen. Wir können dies aber auch mit der Frage verbinden: Was bist du bereit zu geben? Oder genauer: Wir verlangen von dir, dass du gemeinnützig arbeitest, wenn du keinen Job in der Wirtschaft finden kannst. Und wer dies kann, aber vielleicht nicht will – kann gern entscheiden.

Für diejenigen, die jetzt gedanklich gleich „aufspringen“, wenn solch eine Überlegung geäußert wird, sei gesagt: Natürlich muss man differenzieren: Wer alt oder krank ist, kann dies nicht leisten, auch Schwangere nicht und Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern müssen. Was ist aber mit jenen, die es könnten, die jünger sind und kräftig genug. Manchmal scheint mir, dass uns nicht klar ist, wie wir mit dieser Art der Flüchtlingspolitik, mit dieser leider gelebten Praxis die Menschen, die zu uns gekommen sind, würdelos machen. Wir verlangen nicht, dass der, der ausreichend essen und friedlich wohnen will, auch dafür arbeiten muss und scheren damit alle über einen Kamm.

Aber die vorhin erwähnte junge Frau aus Afrika, die hat sich nach Kräften bemüht, um sich hier ein neues Leben aufzubauen.

Was – sehr geehrte Damen und Herren – geschieht um uns herum in Europa?

Warum brach die Bevölkerung einer großen Wirtschaftsnation wie Großbritannien mit Europa?

Es war ein folgenschwerer Fehler der Bundesregierung im September 2015 – über Nacht und im Alleingang – die Entscheidung zur unkontrollierten Aufnahme von Asylbewerbern, und darunter auch viele Wirtschaftsflüchtlingen, zu treffen. Uns ist doch hoffentlich klargeworden, das Dublin II mit dem Schutz der EU-Außengrenzen vor allem einem nutzt, uns Deutschen, oder besser nutzen sollte. Zu dumm, auch die anderen haben dies erkannt. Sie glauben mir nicht? Das verstehe ich.

Was wissen wir über die Zustände in Italien – Sizilien, in Griechenland – auf Lesbos wirklich? Bekannt ist: Luxemburg ist einer der kleinsten Staaten in der EU mit ca. 550.000 Einwohnern, soviel wie unserer Landeshauptstadt wohnen. Dresden hat 2016 1.839 Asylbewerber aufgenommen. Luxemburg im Zeitraum September 20115 bis September 2016 ganze 195 Erstanträge (bei einer Gesamtzahl von 205 Asylbewerbern) registriert.

Deutschland ist Exportweltmeister! Führen dann Alleingänge, begleitet von wenig glaubwürdigen Unterstützern, wie dem dienstältesten Außenminister in der EU wirklich zum besseren Verstehen aus tschechischer, polnischer, ungarischer, französischer und österreichischer Sicht?

Warum ist mir dies am heutigen Abend wichtig?

Wenn wir kürzlich, wie jedes Jahr am 27. Januar – den Internationalen Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen und das deutsche Pendant, den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, uns treffen, dann werden es immer weniger. Es verschwindet die Generation, die Krieg und das damit verbundene Elend, die Not selbst erlebt hat. Selbst bei den in der Kriegszeit Geborenen – die Nachkriegsgeneration – aufgewachsen mit den Erfahrungen von Flucht und Vertreibung verblasst die Erinnerung. Und auch sie werden, so ist nun einmal der Gang der Dinge, immer weniger. Jene, die ich nannte, haben es schätzen gelernt, dass wir mit unseren Nachbarn in Freundschaft leben.

Das Polen, Franzosen, Belgier, Russen, Tschechen, Holländer, alle Menschen, die uns nahe sind, gut miteinander leben. Dies alles kann aufs Spiel gesetzt werden, wenn die jetzige Entwicklung weiter forciert wird. Natürlich gibt es Interessenlagen. Dies kam auch auf einem Wirtschaftsforum in der Hutberggaststätte zum Ausdruck. Unser ehemaliger Ministerpräsident und hier auch in Kamenz gut vernetzte Professor Dr. Milbradt schilderte vor Unternehmern und Handwerkern die Situation in Russland aus seiner Sicht.

Und er meint, dass nicht die Sanktionen den Druck ausübten und ihr bisher behaupteten Wirkungen entfaltet haben, sondern vielmehr die gefallenen Erdöl-/Erdgaspreise der russischen Volkswirtschaft zu schaffen machen. Worauf sich ein hier ansässiger Unternehmer zu Wort meldete und wusste, dass allein die sächsische Wirtschaft im Maschinenbau mit einem sanktionsbedingten Umsatzrückgang von 20 % betroffen war: „Wenn die Sanktionen nichts bringen – warum schaffen wir sie dann nicht ab?“ Wir können kein Interesse daran haben, dass die Spannungen mit Russland zunehmen. Daran sollten wir weder wirtschaftlich noch auf Grund unserer eigenen Erfahrungen interessiert sein.

Vielmehr stellt sich auch hier die Frage: Wem nützt es wirklich?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Was können wir erwarten?

Jetzt – in dem schon über einen Monat altem – neuen Jahr wirft der Bundestagswahlkampf seine Schatten voraus.

Liebe Frau Michalk,

Sie haben sich in all den Jahren als Bundestagsabgeordnete für die Region für Kamenz und damit für die Menschen hier eingesetzt. Sie haben geholfen aus eigenem Antrieb und aber auch dann, wenn Sie um Hilfe gebeten wurden. Sie haben dafür gesorgt, dass wir in unserem Lessing-Museum weiter vorangekommen sind, weil wir eine bauliche Situation schaffen konnten, die nachhaltig zum Vorteil der Besucher und Mitarbeiter des Museums ist.

Und gerade haben Sie uns jüngst geholfen, die Kulturstaatsministerin Professor Grütters dafür gewinnen können, dass unsere diesjährigen Lessingtage mit immerhin knapp 15.000 EUR unterstützt werden. Wenn Pfarrer Naumann es hätte noch erleben können, dass mehr als großzügig Bundesmittel bereitgestellt werden, um die wertvollen Fresken in der mittelalterlichen Just-Kirche zu sichern, er hätte sich mit uns gefreut.

Sie hinterlassen für einen möglichen Nachfolger oder auch eine mögliche Nachfolgerin, gleich aus welcher demokratischen Partei er oder sie kommen mögen, große Schuhe. Schuhe, die gekennzeichnet sind von Freundlichkeit und einer außerordentlichen Bereitschaft zu helfen. Ich durfte Sie kennenlernen als einen sehr offenen und dem Anderen zugewandten Menschen. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich mir einen Vertreter im Bund vorstellen würde, dann wäre meine Antwort: So wie Sie, Frau Michalk!

Dies kann ich ohne den Ansatz von Schmeichelei aussprechen, denn, wie die meisten wissen, Frau Michalk tritt nicht mehr an.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Volksvertreter zu sein, heißt zugleich dem Volke verbunden sein. Dies scheint in der Berliner Ebene dem Einen oder Anderen zu fehlen. Volksverbundenheit heißt auch, die wesentlichsten Fragen mit dem Wahlvolk, mit der Bürgerschaft zu besprechen. Und es bedeutet auch dies wahrnehmbar im Bundestag zu entscheiden. Das Bild eines leeren Plenarsaales verzerrt die Sicht auf unsere Demokratie bis ins Unerträgliche.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn in dem bekannten Magazin für politische Kultur „Cicero“ auf der Titelseite die Frage „Wozu noch wählen?“ aufgeworfen wird, dann spricht es Bände über den Zustand, in den wir uns derzeit begeben haben. Der belgische Autor David van Reybrouck bringt das aus der griechischen Antike bekannte Losverfahren ins Spiel – und alles könnte besser werden. Eine ziemlich absurde Vorstellung!

Sie kennen doch bestimmt den einen oder anderen mit hervorragenden Fähigkeiten. Wenn einen solchen das Los trifft, uns zu regieren – wie im alten Athen –, na ja, dann ist alles ganz gut. Was aber, wenn einer das Los zieht, von dem Sie wissen, dass er nichts oder wenig taugt und der eben auch nichts kann. Ja was dann?

Van Reybrouck ist davon überzeugt, dass die Demokratie nur bewahrt werden kann, wenn wir das jetzige Wahlverfahren durch ein solches Losverfahren ergänzen. Es wäre schon interessant, wie sich dies auf der kommunalen Ebene auswirken würde, wenn ein Bürger solch ein Los zieht.

Anmerkung am Rande: In Athen wurden die wichtigsten Verwaltungsorgane per Losentscheid besetzt. Jeder – Athener Bürger – der sich imstande fühlte, eine Verwaltungsaufgabe zu übernehmen, konnte für das Losverfahren kandidieren. Wobei man vielleicht mit Alltagsweisheit und Alltagserfahrungen sagen muss: Fühlen ist auch nicht gleich können!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Was brauchen wir für die kommende Zeit?

Nachdenken, vielleicht auch die Fähigkeit zu zweifeln, das jeder sich und sein Tun hinterfragt. Wir brauchen die Fähigkeit, einander zu zuhören. Besonders dann, wenn wir z.B. die Frage beantworten: Wollen wir uns mit den Menschen in Schönteichen und möglicherweise Oßling zusammenschließen?

Auf was können wir vertrauen? Auf was können wir hoffen?

Ich glaube, wir können vieles schaffen und gerade mit dem Ausblick aus dem vergangenen Jahr heraus, kann uns vieles gelingen. Dank einer engagierten Bürgerschaft, dank der Leistungen unserer Handwerker, der kleinen und großen Unternehmen haben wir eine gute Basis für das Schultern der Anforderungen der nächsten Jahre. Unternehmen wie Sachsen-Fahnen, Jägermeister, Optima, die ewag kamenz, die SWG, um nur einige zu nennen – es sind in Wirklichkeit viel mehr – behaupten sich im Wettbewerb.

Wir können mit Freude feststellen, dass demnächst ca. 1.200 – 1.300 Arbeitsplätze im Bereich der Produktion und Forschung durch eine in Deutschland/Europa einzigartige Investition der Daimler AG in Kamenz entsteht und wir merken, dass in zunehmendem Maße die Region, darunter die Wirtschaftsregion Lausitz, auf uns schaut.

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit steht mit der Daimler AG ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von ca. 166 Milliarden EUR und weltweit 300. 000 Mitarbeitern der drittgrößte Automobilist der Welt hinter den Investitionen der Deutschen ACCUmotive in Kamenz.

Mit einem Jahresgewinn (2015) von mehr als 13 Milliarden EUR ist die Daimler AG eines der ertragsstärksten Unternehmen der Branche, die damit das notwendige Rückgrat für die Zukunft der Elektromobilität haben. Hier entsteht am Rande der Lausitz, mitten in der Metropolregion Dresden, das Kompetenzzentrum für Elektromobilität der Daimler AG. Jetzt entstehen mit diesem Riesenschritt ca. neue 1300 Arbeitsplätze.

Es sind nur noch Standorte für Asien in China und für den amerikanischen Markt in den Vereinigten Staaten geplant. Wir können davon ausgehen, dass nach den Prognosen der Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge bis 2025 auf 15 % und 2030 auf 37 % ansteigen wird.

Warum können wir hier in Kamenz auf diese Entwicklung warten bzw. auf diese Entwicklung hoffen?

Weil im Konzernverbund und vor allem hier vor Ort die Kompetenzen und der feste Wille, die ersten zu sein, fest vorhanden ist. Übrigens in einem Leitartikel im Spiegel wurde Dr. Zetsche wie folgt zitiert: „Dieter Zetsche bietet nämlich eine Wette darauf an, dass sein Unternehmen in zehn Jahren, den Wettbewerbern bei der E-Mobilität die Rücklichter zeigt.‘ Der Wetteinsatz sagt Zetsche „ist mein Schnurrbart.“ Eine Klasse für sich ist, dass die Antwort der Manager hier vor Ort war: „Wir tun alles, damit Dr. Zetsche seinen Schnurrbart behält.“

Anmerkung von mir: Er hat bei allen bisherigen Wetten – wie man sieht - gesiegt. Z.B. auch, dass die Daimler AG 2016 die 2,0 Millionen Marke an verkauften Mercedes Automobilen knackte. Dr. Zetsche hat gewonnen und er konnte dies zum Neujahrsempfang der Daimler AG Anfang 2017 stolz aussprechen. Das ist Kampfgeist, Sportsgeist, aus dem wir alle schöpfen können und der uns mitreißen kann.

Doch zurück zur Wirtschaftsregion Lausitz: Die Chance, die uns mit der Daimler-Investition gegeben wird, muss genutzt werden. Und daher ist auch richtig, dass wir originär und zielstrebig unsere Infrastruktur ausbauen. Wir alle, die Unternehmen der Region, die Kammern und Wirtschaftsverbände sind aufgefordert, die Bahnanbindung über Senftenberg, Berlin zu unterstützen. Wenn uns dies gelingt, kann es eigentlich nur Gewinner geben!

Über diesen kräftigen Impuls für die Weiterführung des Strukturwandels in der Lausitz sind wir mehr als erfreut. Wir können aus dieser Bedeutung heraus für den anstehenden Strukturwandel der Lausitzer Wirtschaftsregion nur gewinnen. Wir werden es aber auch nur schaffen, wenn wir gemeinsam zielstrebig und zusammen hart arbeiten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich abschließend sagen, was wir dazu brauchen (meiner Ansicht nach). Wir brauchen in der Gemeinschaft der Landkreise, der Städte wie Senftenberg und Cottbus und damit auch Länderübergreifend einen visionären Blick.

Es ist von der öffentlichen Hand zu erwarten und am Beispiel der Daimler AG auch deutlich, wie Unternehmen das schaffen. Dann sollten die öffentliche Hand, die Verantwortungsträger von Bund und Land und der Region dies auch tun und hier kann sich der Gedanke anschließen „Wir schaffen das!“

Wir benötigen die besten Tugenden unserer Menschen: Toleranz, Achtung der Jüngeren gegenüber Älteren, Empathie und die Fähigkeit das Miteinander zu pflegen, vor allem mit Respekt. Ich bin da sehr hoffnungsvoll.

Dies hat auch Gründe: Warum?

Im letzten Jahr in einer doch etwas zum Teil spannungsgeladenen Bürger-/Einwohnerversammlung stand ein etwas älterer Herr auf, der offensichtlich aus dem ehemaligen Westen Deutschlands zu uns gekommen war. Er meinte: „Er hätte in einer großen deutschen Tageszeitung gelesen, dass in einem Beitrag die Überlegung angestellt wurde, ein neues Schulfach einzuführen: Aufmüpfigkeit! Er hielt dies mit Blick auf unsere „Schuljugend“ für erstrebenswert. Im Publikum saßen Handwerker, Unternehmer, im Prinzip der Querschnitt unserer Menschen. Keiner rührte sich, keiner sagte etwas. Kein Gegenargument! Ich wurde wirklich unruhig, hielt mich aber auch zurück. Obwohl ich etwas dazu zu sagen gehabt hätte, sah ich die Gefahr, vielleicht in die Rolle des „Oberlehrers“ zu geraten – und dies wollte ich nicht.

Am Ende der Veranstaltung kam ein junger, aber doch schon „gestandener“ Mann zu mir und meinte: „Herr Dantz, wir brauchen kein neues Schulfach – Aufmüpfigkeit –, sondern, wenn überhaupt, ein neues, dann: Respekt! Noch ist also – vielleicht etwas pathetisch gesagt – nichts verloren, meine Damen und Herren! Es geschehen eben auch noch Wunder. Und damit verbunden (wenn auch etwas zeitversetzt) gibt es die richtigen Antworten

Sehr geehrte Damen und Herren,

was geben wir jeden Absolventen unserer Schulen in Kamenz mit, gleich, ob sie die Hauptschule, die Oberschule oder das Gymnasium verlassen. Es ist ein kleines Büchlein, in welchem aus meiner Sicht alles enthalten ist, was man zum Leben braucht und was man im Umgang miteinander wissen und beherzigen sollte.

Wir haben viel zu verteidigen, es geht um unsere, humanistische Werte, wie die Achtung der Menschenwürde, der Toleranz und unsere Meinungsfreiheit. In diesem kleinen Buch der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ ist für jeden verständlich beschrieben, nach welchen Werten und Zielen wir streben sollten. Wir können dies in unserer Lessingstadt tun, da Herr Dr. Erhard Ruhnau persönlich und das Unternehmen Optima Maschinenteile Fertigungstechnik GmbH die Neuherausgabe und Beschaffung mit einem vierstelligen Betrag unterstützt haben. Der Inhalt dieses Buches, die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ ist der geistige Rahmen, in dem ich versucht habe, heute Abend zu Ihnen zu sprechen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

so heißt es im Artikel 1 dieses für uns so wichtigen Textes: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Es ist vielleicht eine der größten Taten, die ein Mensch vollbringen kann, wenn er unter dem Einsatz des eigenen Lebens oder auch der eigenen Gesundheit einem anderen das Weiterleben ermöglicht und ihn somit rettet.

Dies ist ein Handeln – sehr geehrte Damen und Herren, größter Mit-Menschlichkeit!

Wir freuen uns, sehr geehrte Frau Julia Standfuß, dass Sie heute unser Gast sind.

Sie haben mit Ihrer Bereitschaft der Abgabe einer Knochenmarkspende (die Presse berichtete darüber im März letzten Jahres) dafür gesorgt, dass einem vierjährigen italienischem Kind aus Rom das Leben gerettet wurde.  Wir heben dies auch deswegen hervor, da wir andere ermutigen möchten, sich als Knochenmarksspender registrieren zu lassen. Deshalb Ihnen Frau Standfuß, auch stellvertretend für andere Spender recht herzlichen Dank und ein herzliches Willkommen!

Der vormalige anglikanische Bischof der Stadt Johannesburg, Desmond Tutu, hat es, bezogen auf unser Verständnis universaler Rechte und Pflichten, auf unsere Wertvorstellungen so ausgedrückt: „Auch, wenn überall auf der Welt viel Abscheuliches passiert, so streben die Menschen doch nach dem Guten. Nicht die militärisch Mächtigen sollten wir achten und auch nicht die wirtschaftlich Erfolgreichen, sondern jene, die versuchen, unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.“

Sehrt geehrte Damen und Herren,

es gibt auch in unserer Stadt Menschen, die versuchen unser Kamenz, unsere Region und auch unser Land zu einem besseren Ort zu machen. Viele sind heut Abend unter uns.

Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam an unserer Stadt, unserer Region und unserem Land und damit an einem geeinten Europa und einer friedlichen Welt weiterbauen.

Auf ein gutes Jahr 2017!

Ich danke Ihnen für Ihre Geduld, aber vor allem für Ihre Aufmerksamkeit!

Stifter des Inklusionspreises, Michael Schiewack, zum Neujahrsempfang

Dr. Hermann Drum spricht zu den Anwesenden, links neben ihm der Oberbürgermeister

 

Rede von Michael Schiewack zum Neujahrsempfang der Stadt Kamenz 2017 am 3. Februar 2017

 

Meine Sehr geehrten Damen und Herren,

sehr geehrte Herr Wehner,

sehr geehrter OB Herr Dantz,

sehr geehrte Stadträte und Stadträtinnen,

werte Ehrengäste und Preisträger,

ich bin heute natürlich aufgeregt, aber auch froh und stolz zu gleich, einen Preis zu einem Herzensthema von mir, nämlich der Inklusion, zu verleihen. Wie komme ich darauf, dies zu tun? Diese Frage stellen sich wahrscheinlich einige im Saal.

In den letzten Jahren haben sich mein Team und ich besonders mit der Frage beschäftigt, wie können wir Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen so stärken, dass sie an den Angeboten der Bildung, Arbeit und der Freizeit zufrieden und gleichberechtigt teilnehmen. Das machen wir zum einen, weil es unser berufliches ergotherapeutisches Selbstverständnis ist. Zum anderen tun wir dies, weil wir der Überzeugung sind, auch in den Bereichen von Schule, Arbeitsstätte und Freizeit für Gerechtigkeit zu sorgen.

Denn es ist nicht gerecht, wenn Menschen mit Behinderungen von vornherein keine Vision oder Perspektive entwickeln können, mit anderen ihre Zeit zu verbringen oder eigene Ziele zu verwirklichen.

Es ist nicht gerecht, wenn es Menschen ohne Behinderungen verwehrt wird, Menschen mit Behinderungen kennenzulernen, um ihre eigenen Perspektiven auf das Leben zu erweitern, anzupassen oder gar zu verändern.

Mit diesen Gedanken hat mein Team mit unseren vielfältigen Partnern Projekte entwickelt und realisiert. Da wäre zum einen der großartige Inklusionslauf im Rahmen des Lausitzer Blütenlaufes. Da wären die jahrelangen Kooperationen mit den Grundschulen und Weiterführenden Schulen in Kamenz und im Umland. Und da ist das sehr erfolgreiche, über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Projekt meiner Kollegin Julia Müller, die „Tanzende Inclusion“.

Um solche Projekte anzugehen und zu realisieren, braucht es Partner. Da bin ich mir sehr sicher, dass die Kamenzer und die Menschen aus dem Umland dazu offen und engagiert sind. Wenn ich im Bereich der Sportvereine mich umschaue, denke ich spontan an den OSSV, den SV St. Marienstern, aber auch Tomogara, in denen die unterschiedlichen Fähigkeiten der Sportler keine Rolle spielen.

Aber es braucht eben auch Menschen mit Visionen. Menschen, die Bilder von einer Gesellschaft zeichnen, die auf Gerechtigkeit beruht. Einer dieser Visionäre war Peter Barth. Um seine Auszeichnungen und sein Wirken aufzuzählen, bräuchte ich wahrscheinlich länger als die Rede des OB. Aber ich versuche es auf wenige Worte reduzieren. Peter Barth, hat mit den Projekten des Handicap e.V. und dem Zusammenführen des Vereins mit dem SV St. Marienstern sehr wertvolle Arbeit im Bereich der Inklusion im Bereich Freizeit und Sport geleistet. Wer auch immer sich mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, ist an der Person Peter Barth in dieser Region nicht vorbeigekommen. Leider war es mir nicht vergönnt, mit ihm etwas zusammen zu gestalten. Umso betrübter war ich, von seinem Tod zu erfahren. Umso mehr freut es mich, in Abstimmung mit der Witwe Veronika Barth, meinen Preis nach ihm zu benennen. Er hat diese Ehrung verdient.

Verdient haben es auch die beiden Preisträger: Die 2. Oberschule Kamenz und die Johann Gottfried Böhnisch Schule aus Kamenz. Beide Schulen haben sich zusammen als Team beworben. Beide Schulen waren meine ersten Ansprechpartner für den ersten Inklusionslauf in Kamenz.

Das Besondere daran: Die Schüler der 2. Oberschule, haben nach Vorschlag der Lehrer selbst und bestimmt entschieden, dieses Projekt anzugehen, um andere Schüler einer anderen Schule kennen zu lernen, mit ihnen zu trainieren und den Wettkampf erfolgreich zu gestalten. Beide Schulen trainieren und planen nun seit Jahren selbstständig und vor allem wie selbstverständlich für diesen Wettkampf. Darüber hinaus trafen sich in der Vergangenheit Schüler beiden Schulen zu unterschiedlichen Aktivitäten.

Für diese wichtigen Begegnungen bin ich den Schulen, Lehrern und Schülern sehr dankbar. Denn es zeigt, dass wir Inklusion als Vision durchaus vom Ende her denken müssen, aber die vielen kleinen Schritte dahin wesentlich und wichtig sind.

Sehr geehrte Preisträger, ich bitte sie nun nach vorn und bedanke mich für ihr Engagement.

Herzlichen Glückwunsch zum Preis: Kamenz schafft Inklusion – Peter Barth Preis 2017!

Anlässlich der Verleihung des Kamenzer Inklusionspreises spricht der Vizepräsident des Sächsischen Landtages - Horst Wehner

 

Rede des Vizepräsidenten des Sächsischen Landtages zum Neujahrsempfang der Stadt Kamenz 2017 am 3. Februar 2017

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

werte Ehrengäste,

sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zum heutigen Neujahrsempfang der Stadt Kamenz.

Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2017 Glück, Erfolge bei allem, was Sie tun, und, wenn es mal nicht so klappt, die nötige Gelassenheit, doch vor allem wünsche ich beste Gesundheit. Allen heute Geehrten gratuliere ich sehr herzlich.

In den letzten Jahren ist „Inklusion“ zu einem regelrechten Schlagwort geworden. „Inklusive Bildung“, „Inklusives Zusammenleben“, „Inklusive Gesellschaft“…

Doch wie sieht das aus? Ist es schon Inklusion, wenn sich die Politik feiert, weil es gelungen ist, dass ein Kind mit einer körperlichen Behinderung „ganz normal“ in einer Regelschule am Unterricht teilnehmen darf? Nein, das ist es nicht! Inklusion ist es erst dann, wenn „ganz normal“ und „Regelschule“ keiner Erwähnung mehr bedürfen. Erst wenn das in den Köpfen klar ist, können die Barrieren verschwinden.

„Wir müssen nicht integriert werden, wir sind schon da!“, hörte ich vor einiger Zeit jemanden auf einer Veranstaltung sagen. Recht hat er: wir sind da. Wir kommen aber leider längst noch nicht überall hin! Die hohe Bordsteinkante, der zu enge Parkplatz, das Schild mit der zu kleinen Schrift, die „tonlose“ Ampel, die umständlich geschriebene Broschüre…

All das sind Dinge, die unsere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben schwer einschränken – und von Gleichberechtigung kann da schon überhaupt gar keine Rede sein. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, alle im Blick zu haben!

Von ebenerdigen Zugängen, Schrägen (ich denke nur an den Lieferanten mit seiner Sackkarre), klaren und deutlichen Ausschilderungen und einfach formulierten Texten und Schreiben profitieren alle.

Die Menschen lieben es nun mal bequem! Warum sollte das nicht ein Ansatz sein? … die Idee der Inklusion, das ist zentraler Leitgedanke der UN-Behindertenrechtskonvention, und es liegt auf der Hand, diese Idee wird unsere Alltagskultur verändern.

Klasse! Genau um diese Frage des Umgangs untereinander, miteinander geht es, und hier ist auch unser Beitrag gefordert! Denn genau genommen bedeutet inklusive Gesellschaft für uns nicht nur, dass wir – im Idealfall – unser Leben selbstbestimmt und ganz nach unserem Gusto gestalten können.

Wir sind dann genauso „normal“ oder „unnormal“ wie jeder andere auch. Ich finde, hier sollten wir uns selbst mal prüfen, inwieweit wir uns als Teil der Gesellschaft begreifen, wie mitten drin oder außen vor wir uns sehen und bewegen.

Natürlich weiß ich: „Die Forderung an andere ist leicht. Schwerer ist die Forderung an sich selbst.“

Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, dass jeder von uns ganz still für sich einmal darüber nachdenkt, wie er die Menschen in seiner Umgebung wahrnimmt und wie er mit ihnen umgeht.

Denn Inklusion lebt vom Kennenlernen, vor allem aber von gegenseitigem Respekt.

Gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Kein Wunschtraum (in Anlehnung an Brecht), sondern das Einfache, was schwer zu machen ist.

„Gut Ding will Weile haben“, heißt ein Sprichwort. „Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt“, ein anderes. Ein drittes heißt: „Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können.“ Ich fürchte, das wird das schwerste: den Blickwinkel ändern, Dinge völlig neu denken, sich frei machen von den alten Bahnen, in denen bisher alles lief.

Was Kamenz betrifft bin ich optimistisch.

Insofern gratuliere ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister, und ich danke Ihnen zugleich, dass Sie sich vor geraumer Zeit mit mir (und anderen aus dieser schönen Stadt) auf die Spuren der Barrierefreiheit begeben haben…

Im Besonderen danke ich Ihnen, lieber Herr Schiewack, für Ihr Engagement in Sachen Inklusion und zur Stiftung dieses Inklusionspreises. Mit diesem ehren und würdigen Sie Initiativen, Projekte, in denen sehr großer Wert auf ein gutes Miteinander und Füreinander gelegt wird, in denen Vielfalt Normalität ist.

Das war auch ein Grundsatz des großartigen Volleyballers und Leichtathleten Peter Barth, der mitreißen konnte und gewissermaßen Initiator der Integrationssportfeste in Panschwitz-Kuckau gewesen ist.

Folgerichtig nennen Sie den Inklusionspreis „Peter-Barth-Preis“. Vielen Dank für diese Initiative. Und nun verkünden Sie bitte, wem dieser warum verliehen wird.

10.02.2017