Sonnabendnachmittag: Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft

Die Sonne meinte es am Sonnabend, dem 5. Mai gut, wenn nicht sogar sehr gut, als 14.00 Uhr der Stadtrundgang am Schulplatz, gleich neben der Stadt-Information zum Thema „Modernes Wohnen in der historischen Altstadt“ begann. Und um es vorweg zu nehmen, dieser Rundgang hätte mehr Publikum verdient gehabt oder anders gesagt, jeder der nicht da war, hat etwas verpasst.

Sie alle hat das phantastische Wetter in diesem Falle nicht abgeschreckt.

Nach den einführenden Worten des Oberbürgermeisters, der über Jahre hin in diesem Metier Verantwortung zeichnete und natürlich auch als Oberbürgermeister in der Materie steht, übernahm das Rundgangsteam, bestehend aus dem langjährigen Sanierungsberater Nico Neumann sowie den beiden Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Friederike Bobke und Michael Preuß, das Zepter, sprich sie führten die Teilnehmer zum einen in die Vergangenheit der Stadt Kamenz und zum anderen zeigten sie die vorhandenen Möglichkeiten in der Städtebausanierung auf.

(v.l.n.r.): Friederike Bobke, Michael Preuß, Nico Neumann, Oberbürgermeisters Roland Dantz und Grit Preusche vom SMI

Zuvor hatte Nico Neumann am Schulplatz anhand von Schautafeln einen Überblick gegeben, mit Hilfe welcher Förderprogramme von Bund und Land, natürlich immer mit den dafür notwendigen Eigenanteilen der Stadt Kamenz, Gebäude, aber auch entsprechende bauliche Gegebenheiten saniert und erneuert wurden. Dabei kam auch zum Ausdruck, dass bestimmte Förderprogramme sich weniger auf ein einzelnes Gebäude konzentrieren, sondern mehr auf die Entwicklung eines Gebietes, sei es, um es – im Bereich bestimmter Grenzen – in seiner baulichen Ausprägung zu erhalten oder um es in eine bestimmte Richtung, z.B. Kamenz West zu entwickeln. Hier könnte man auch das sogenannte Gründerzeitquartier benennen, in das die Entwicklung des gymnasialen Schulstandortes an der Henselstraße eingebunden ist, welches u.a. der Stärkung des innerstädtischen Bereiches dienen soll.

Die Schautafeln auf dem Schulplatz sind noch bis zum 15. Juni zu betrachten. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich dankenswerterweise Grit Preusche, Mitarbeiterin im Referat Städtebau- und EU-Förderung beim SMI, an diesem Sonnabend nach Kamenz aufgemacht hatte, um hier den Tag der Städtebauförderung mitzuerleben. Es ist anzunehmen, dass ihr gefallen hat, wie die von ihr mitverwalteten Fördergelder in Kamenz gut angelegt worden sind.

Nach den „theoretischen“ Einführungen schloss sich ein Rundgang zu konkreten Projekten und Gebäuden an, stets begleitet von kenntnisreichen Ausführungen der für diesen Stadtrundgang Verantwortlichen. Als sehr gut erwies sich, dass die in der Vergangenheit geförderten Vorhaben eben nicht nur abstrakt erläutert wurden, sondern, wie der Marktplatz begangen oder die Häuser durch die Privateigentümer für diesen Rundgang geöffnet wurden.

Detail aus der Innen-hofgestaltung in der Pulsnitzer Straße 46 (Fam. Eickhoff/Hasselbach)
Zu Gast bei Fam. Kutter im schattigen Garten
Blick ins Herrental und auf die Hauptkirche St. Marien vom Balkon des Wohnhauses "Anger 24" (Herr Mike Nosek)

Insofern sei an dieser Stelle ausdrücklich der Familie Eickhoff/Hasselbach, der Familie Kutter sowie Herrn Mike Nosek gedankt, die den Stadtrundgängern einen freundlichen Einblick in das mit Hilfe von Fördergeldern von ihnen Geschaffene gewährten. Es waren Bespiele herausragenden privaten Engagement gepaart mit sehr guter städtischer Unterstützung. Dabei wurde auch deutlich, wie ein unterschiedliches Herangehen an ein Objekt zu jeweils anderen, aber doch befriedigenden Resultaten sowohl für die Eigentümer als auch für die Öffentlichkeit führen.

Es ist in Kamenz – im Bereich der vorhandenen oder auch noch zu bildenden Fördergebiete möglich – sich ein Refugium zu schaffen, sowohl architektonisch als auch im Außenbereich. Dabei geht es nicht in erster Linie um eine 1 : 1 Erhaltung historischer Bausubstanz, was im einzelnen auch der Fall sein kann, sondern um die sinnvolle Kombination von historischen Gegebenheiten mit heutigen Anforderungen an Wohn- und Lebensverhältnisse. Dies war sowohl bei den Gebäuden der Familie Eickhoff/Hasselbach und Kutter als auch bei dem Gebäude von Herrn Mike Nosek nachvollziehbar.

Vorm „Feuerhaus“: (Zweiter von rechts) Norbert Portmann
Im "Feuerhaus: Die 70er lassen grüßen

Eine wichtige Station war das sogenannte „Feuerhaus“, welches die Stadt kürzlich erworben hat, um den sich anbahnenden Verfall des Gebäudes, der nicht nur im Verwittern und Verblassen des über dem Eingangsportal dargestellten Stadtbrandes besteht, aufzuhalten. Norbert Portmann, bekannt als – im guten Sinne – umtriebiger Ortschronist, erläuterte den Teilnehmern des Stadtrundgangs, soweit es die Quellenlage zuließ, historische Details zu diesem Gebäude, das in seiner Geschichte vielfältige Nutzungen als Wohnhaus, Gaststätte, Küche oder auch Ort der HO-Werbungabteilung erfahren hat. Lange Zeit hat es dann nach 1989/90 leer gestanden, was zu dem jetzt sehr deutlich erfahrbaren Zustand geführt hat. Ein Blick ins Innere des Gebäudes zeigte, dass hier, gleich wer dieses Vorhaben stemmen wird, eine große Aufgabe vorliegt. Und gerade in diese Richtung zielen ja die Förderprogramme. Sie sollen u.a. finanziell helfen, bestimmte historische Gebäude oder räumliche Gegebenheiten zu erhalten. Sie stellen Mittel zur Verfügung, um die mit der genannten Zielstellung verbunden Mehrkosten für den Eigentümer – im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Interesses – zu gewährleisten. Und in dieser Hinsicht kann sich, so auch Frau Grit Preusche, Kamenz durchaus sehen lassen und stolz auf die Erfolge der Städtebauförderung in der Stadt zurückblicken. Sicher sind noch nicht alle Blütenträume gereift und es bedarf noch vieler Anstrengungen, aber auch des Mutes von Eigentümern, sich der Problematik Stadterneuerung/Stadtentwicklung zu stellen, doch die Basis dafür ist in Kamenz ohne Zweifel vorhanden.

Torsten Petasch (Zweiter von rechts) von der Genossenschaft erläutert die Pläne für das Haus

Seinen Abschluss fand der Stadtrundgang im Gebäude in der Bautzner Straße 13, bekannt durch das Geschäft „Seifen-Niegel“ und jetzt erworben durch die Genossenschaft „Neue Altstadt Kamenz“ e.G. Der Vertreter der Genossenschaft, Torsten Petasch, erläuterte die inhaltliche Zielrichtung der Genossenschaft für dieses Gebäude, wo es u.a. zum einen um die Erhaltung der historischen Ladeneinrichtung und einer entsprechenden Nutzung, zum anderen aber um ein praktisches Inklusionsmodell geht, bei dem Menschen mit Behinderungen als Wohngruppe in das Gebäude einziehen und – mit Unterstützung – ein kleines Café betreiben. Hier sind die Genossenschaft und die Stadtverwaltung intensiv im Gespräch, um dieses als notwendig erachtete Projekt umzusetzen.

Nach gut drei Stunden endete der Stadtrundgang bei Kuchen und Kaffee und mit anregenden Gesprächen über das zuvor Vermittelte und Erfahrene. Es war ein schöner Nachmittag und das nicht nur wegen des Wetters, sondern auch von den Inhalten her, die bei diesem Rundgang behandelt wurde. Gedankt sei allen Beteiligten für diese gelungene Aktion, die aber ob ihres Gehalts natürlich nach Wiederholung ruft. In diesem Sinne ist nach dem Tag der Städtebauförderung vor dem Tag der Städtebauförderung!

09.05.2018