Der erste Schwimmwettkampf – Ein gelungener Auftakt

Eine neue Seite in der Städtepartnerschaft zwischen Kolin und Kamenz wurde aufgeschlagen

Schon vor geraumer Zeit hatte der Sportschwimmclub Kolin (SOPKo) zum Partnerschaftsstadtschwimmen Kolin - Kamenz  in das Hallenschwimmbad Kolin eingeladen. Gut war, dass sich der Ostsächsische Schwimmverein Kamenz e.V. (OSSV) nicht lange bitten ließ und – unterstützt von der Stadt Kamenz – die Organisation auf Kamenzer Seite übernahm. So konnte sich dann das Schwimmteam des OSSV am Sonnabend, dem 13. Mai auf den Weg nach Kolin machen.

 

Eine herzliche Begrüßung im Koliner Rathaus

 

In Kolin am Rathaus eingetroffen, erwartete uns bereits Vera Dolezalova, die unsere Mannschaft herzlich begrüßte, uns in bewährter Art und Weise als Übersetzerin zur Seite stand und für uns zwei Tage bei allen Problemen half. Da es der erste Schwimmwettkampf zwischen dem SOPKo und dem OSSV im Rahmen der Städtepartnerschaft war, hatte er sicher einen besonderen Stellenwert, aber die große Herzlichkeit der Tschechen beeindruckt immer wieder. Die Kinder wurden in den festlichen Ratssaal geladen und vom stellvertretenden Bürgermeister und dem Kulturbürgermeister begrüßt. Sicher war das, was dann in den offiziellen Reden gesagt wurde, für sie vielleicht nicht besonders interessant, aber sie saßen wie die Mäuschen und lauschten einer recht langen Begrüßungszeremonie. Zum Schluss gab es dann auch noch für sie Gastgeschenke. Sie waren mächtig beeindruckt!

 

Sportliche Freizeit mit Koliner Schülern

 

Im Anschluss an die Begrüßung ging es zur Jednicka-Grundschule, wo unsere Kinder von der Direktorin, zwei Lehrerinnen und sieben Grundschülern wieder sehr herzlich und unverkrampft begrüßt wurden. Nach einer Schulbesichtigung, der Erfrischung mit Getränken und Obst wurden gemeinsam Ratespiele und dann Zweifelderball mit gemischten Mannschaften gespielt. Erstaunlich war dabei, wie schnell Kinder die durchaus vorhandenen Sprachbarrieren abbauten. Und zum Schluss gab es dann für unsere Kinder wieder kleine Gastgeschenke. Im Übrigen sucht die Schule in Kamenz eine Partnerschule. Vielleicht ist das auch noch eine Möglichkeit, die Städtepartnerschaft auszuweiten.

Der Wettkampftag und eine große Überraschung

 

Am Sonntag war es dann soweit – der Wettkampftag: Nicht nur die Stadtverwaltung Kolin war bestens auf das erste Schwimmfest der Partnerstädte vorbereitet, auch der Schwimmverein von Kolin hatte voll mitgezogen. Der Verein hat in einer sehr schönen, nicht nur funktionell-, sondern auch freizeitorientierten Schwimmhalle seine Heimstatt. Dort erwarteten uns 55 Schwimmer(innen), Betreuer, Trainer – alle in einheitlicher Kleidung, was ein sehr schöner Anblick war. Wieder war es die herzliche Begrüßung mit dem Austausch von Gastgeschenken, die beeindruckte. Und dann eine nicht geahnte Überraschung: Zur Eröffnung des Wettkampfes wurden die Nationalhymnen beider Staaten gespielt. Auf den Gedanken muss man erst mal kommen. Soviel Ehre für Kinder! Wunderbar! Das ist angekommen!

Die Ergebnisse

 

Es gab 20 Wettkämpfe, an denen 55 Kinder bzw. Jugendliche aus Kolin und 7 aus Kamenz teilnahmen. Jeder der Kamenzer Schwimmer(innen) stellte sich in 5 Wettkämpfen. Die erreichten Ergebnisse können sich aus Kamenzer Sicht sehen lassen: Neben guten 4. und 5. Plätzen einmal Platz 1, fünfmal Platz 2 und zweimal Platz 3. So erreichte Marek Hirschberg (JG 04) den ersten Platz in der Disziplin „100m Brust“ in 1:36,51min, den zweiten Platz in den Disziplinen „100m Rücken“ in 1:23,9min, „100m Freistil“ in 1:14,23min, „100m Schmetterling“ in 1:26,40min sowie „200m Lagen“ in 3:02,26min. Paul Hetmank (JG 06) erreichte bemerkenswerte dritte Plätze in „50m Freistil“ in 42,24s und in „100m Lagen“ in 1:48,59min. Und auch der durch Annalena Hanke (JG 06) zweite Platz in „50m Brust“ mit 52,11s sei an dieser Stelle erwähnt.

Der Ausblick

 

Aber nicht nur die Ergebnisse zählen. Viel schwerer wiegt sicherlich, dass sich die Menschen beider Städte nähergekommen sind. Hier erfüllte sich ganz konkret und praktisch die oftmals als Phrase gebrauchte Völkerverständigung des Sports. Auf jeden Fall wird es wieder einen Vergleichskampf zwischen dem OSSV und dem SOPKo geben, dann aber in Kamenz. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem OSSV – und hier gilt der Dank besonders Edeltraud und Theo Schnappauf –  konnte der Wettkampf in Kolin und wird er dann – voraussichtlich im nächsten Jahr – in Kamenz stattfinden.

Knihovna heißt Bibliothek -Erfahrungsaustausch der Bibliotheken Kamenz und Kolin

Dass die Stadtbibliothek“ G. E. Lessing“ an einem Öffnungstag geschlossen bleibt, ist für ihre Nutzer ungewöhnlich. Am 12. Mai 2017 hatten sie aber großes Verständnis dafür. Das Bibliotheksteam startete an diesem Freitagmorgen nicht wie gewohnt die Computer in der Bibliothek, sondern das Dienstauto der Stadt Kamenz und los ging die Reise in die tschechische Partnerstadt Kolin. Grund war eine Einladung zum tschechisch-deutschen Kulturfrühling. Das Navi war programmiert mit Ziel „MESTSKA KNIHOVNA KOLIN“. Nach einer herzlichen Begrüßung gab es viele anregende Begegnungen mit den tschechischen Kolleginnen und Kollegen. Bei der Besichtigungstour durch die Bibliothek staunten die Kamenzer über mehrere kleine Ausstellungen, die ideenreich und kreativ über die Lessingstadt informierten. Die Verständigung war durch die hervorragenden und humorvollen Übersetzungen von Frau Vera Dolezalova zum Glück kein Problem. Sie kennt Kamenz bereits durch viele Städtepartnerschaftsbesuche.

Der Koliner Bibliotheksleiter Herr Karnik sowie seine Stellvertreterin Frau Vodizkova (li.) boten den Kamenzer Gästen einen umfassenden Einblick in ihre Arbeit. Dank der hervorragenden Übersetzungen von Frau Dolezalova (re.) konnte gefachsimpelt werden.

Nach einem gemeinsamen typisch tschechischen Mittagessen gab es eine kleine Stadtführung rund um den Karlsplatz im mittelalterlichen Stadtzentrum. In Kolin existierte seit dem 14. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Historische Zeitzeugen sind ein gut erhaltenes jüdisches Viertel mit der Synagoge aus dem 15. Jahrhundert. Im klassizistischen Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule befindet sich heute die Stadtinformation. Das Bibliotheksteam übernachtete im ehemaligen Rabbiner-Haus. Die jüdische Gemeinde zerfiel im Jahr 1953. In der Synagoge, die heute kulturellen Zwecken dient, erlebten die Kamenzer am Abend einen Festakt mit klassischem Konzert des international prämierten Zemlinsky-Streichquartetts. Im Anschluss wurde eine Publikation deutsch-tschechischer Lyrik von Literaten des Koliner Elbegebietes präsentiert. Der Koliner Bürgermeister Vit Rakusan, der die Veranstaltung moderierte, kam bei einem kleinen Bankett und leichtem Swing im Innenhof der Synagoge dann mit den deutschen Gästen ins Gespräch. Er gab ihnen die herzlichsten Grüße an alle Kamenzer Bürger mit auf den Weg der Heimreise. Die Koliner waren tolle Gastgeber, so dass nicht nur neue Kontakte geknüpft wurden, sondern die tschechischen Bibliothekare im nächsten Jahr zum Gegenbesuch in Kamenz erwartet werden.

18.05.2017